Immer wieder wird seitens Impfskeptikern die Befürchtung geäussert, wenn man erst einmal anfange, müsse man sich endlos oft immer wieder impfen lassen, damit die Impfung ihre Wirkung behält.

Dahinter steckt ein grosses Missverständnis bezüglich der Funktionsweise des Immunsystems und der Bedeutung verschiedener Einflussfaktoren, wie Andreas Radbruch, Immunologe an der Charité in Berlin, heute in verschiedenen Zeitungen von CH Media erklärt: «Man braucht keine jährliche Impfung».

Die meisten Genesenen sind höchstwahrscheinlich für viele Jahre geschützt. Man weiss von Leuten, die 2003 eine Infektion mit dem ersten Virus Sars-CoV durchgemacht haben, dass sie 2020 noch gleich viele schützende Antikörper hatten wie ein Jahr nach der Infektion. Die Immunität ist 17 Jahre lang stabil geblieben! So anders ist Sars-Cov-2 nicht, da erwarte ich dasselbe.

Wie läuft das im Körper genau ab?

Die Plasmazellen, die Antikörper gegen Infektionen über viele Jahre machen, befinden sich im Knochenmark. Eine Gruppe amerikanischer Forscher wies nach, dass auch bei Covid-19-Genesenen Plasmazellen zu finden sind, die Antikörper gegen Sars-CoV-2 machen – und zwar in etwa so viele, wie man auch nach einer Impfung gegen Tetanus oder Diphtherie findet. Nach der Infektion sinkt das Antikörperniveau und nach einem halben Jahr, wenn sich das System eingependelt hat, bleibt es dann bei einer bestimmten Menge stabil.

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Ideal wäre die zweite Impfung nach einem halben Jahr, weil dann das Immunsystem wieder seine Ruhe gefunden hat und in die Gedächtnisphase zurückgekehrt ist. Wenn man früher impft, impft man in die Immunreaktion rein und verstärkt sie nur.

Aber für die 80-Jährigen kann dieses Level dann zu tief sein, oder wie kommt es, dass diese Altersgruppe nun wieder gefährdet ist?

Der Schutz sinkt eben auch, wenn plötzlich eine Virusvariante kommt, die viel ansteckender ist, das heisst, wenn die Leute mit höheren Virusbelastungen konfrontiert sind. Wie nun bei der Delta-Mutante. Dafür ist das Immunsystem bei manchen nicht genug gerüstet. Bei alten Leuten reagiert es träger. Man sieht, dass es nach der zweiten Impfung noch nicht so richtig in Schwung gekommen ist. Doch nach der dritten Impfung produzieren sie so viele Antikörper wie jüngere Leute. Die über 60-Jährigen sollten sich ein drittes Mal impfen lassen. Aber auch dann wird man Spitaleinweisungen und Todesfälle nicht ganz ausschliessen können. Es wird immer einige wenige geben, die zumindest «mit dem Virus» sterben.

Später braucht es dann nicht noch eine vierte Impfung?

Nein! Es geht nur darum, das Immunsystem so auf Touren zu bringen, dass das immunologische Gedächtnis gut genug ist. Das ist anders als bei der Grippe – da sollte man sich jährlich impfen lassen, weil verschiedene Stämme kursieren und die Impfstoffe nicht zu allen passen. Bis jetzt decken die Impfungen für Sars-Cov-2 alle Mutanten ab und man wird keine jährlichen Boosterimpfungen brauchen.

Und es ist gar nicht wünschenswert, dass das Antikörperlevel so hoch bleibt wie nach der Impfung?

Nein. Es wäre unsinnig fürs Immunsystem, ständig mit Volldampf zu fahren.

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