Der Tages-Anzeiger greift heute ein brisantes Thema auf: Deep Fakes. In einem Interview mit der britischen Politkommentatorin Nina Schick erfahren wir, dass man unterscheiden muss zwischen synthetischen Medieninhalten und Deep Fakes und dass Russland ganz gezielt Desinformationen streut, um seine Macht auszuweiten.

Synthetische Medien sind teilweise oder ganz mit Techniken künstlicher Intelligenz (KI) erstellt. Wenn Fotos oder Videos bewusst zur Falsch- oder Desinformation verwendet werden, nennt man sie Deep Fakes.

Unglaublich echt: Diese Personen exisitieren nicht – Ihre Gesichter sind anhand digitaler Daten von künstlicher Intelligenz errechnet worden. Fotos: Thispersondoesnotexist

Ihren Anfang nahmen Deep Fakes ganz profan in der Pornografie. Vor zweieinhalb Jahren hat ein anonymer Nutzer unter dem Namen «Deep Fake» – aus «Deep Learning» und «Fake» – gefälschte Pornovideos gebastelt, indem er aus Fotos und Videos der Schauspielerin Scarlett Johansson deren Gesicht in einen Pornofilm eingebaut und dies im Netz veröffentlicht hat, ohne jegliches Vorwissen.

Weil man mittels Künstlicher Intelligenz mittlerweile sehr realitätsnah das Gesicht von jedem in jede Szene einbauen und sogar Stimmen perfekt imitieren kann, stellen Deep Fakes nun auch den Begriff der Realität infrage.

Nina Schick hat in den letzten zehn Jahren als Beraterin festgestellt, dass das Zeitalter der Information immer mehr zum Zeitalter der Desinformation wurde.

In ihrem Buch „Is anything real?“ beschreibt sie, wie dieses neue Informationsökosystem Desinformation und Fehlinformation präsenter und wirkungsvoller machte und kommt zum Schluss, dass die Wurzel der Lügen-Ökonomie in Russland liegt.

Mit der russischen Invasion in der Ukraine und der Annexion der Krim fing für sie alles an. Frau Schick zeigt in ihrem Buch, wie der russische Staat es schafft, aus der Veränderung des Informationssystems Kapital zu schlagen und ist überzeugt, dass Russland unser gesamtes Informationsökosystem geprägt hat. Russland benutzt Information und Desinformation als Werkzeug, damit man so viele Informationen hat, dass man nicht weiss, was wahr ist.

Gegen die Infokalypse können wir nur ankommen, wenn wir sie mit all unseren Ressourcen angehen. Man kann dies nicht einfach an die sozialen Medienplattformen oder an die Regierung delegieren. Gesellschaft, Technik und Politik müssen an einem Strick ziehen. Das ist schwer zu bewerkstelligen, aber machbar, wie das Beispiel Estlands zeigt. Das Land war phänomenal erfolgreich bei der Bekämpfung der russischen Desinformation, weil es dies als eine gesellschaftsweite Übung verstanden hat.

Soweit das Interview im heutigen Tages-Anzeiger. In voller Länge kann man es hier nachlesen (Achtung, Paywall).

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch diese beiden Dokumente:

In beiden wird darauf eingegangen, wie der Kreml durch das Verbreiten von Verschwörungsmythen und gezielte Desinformationskampagnen seine Macht nach innen sichert und den Westen zu spalten versucht. Dabei wird auch ganz gezielt versucht, den Klimaschutz und die Weiterentwicklung strategisch relevanter Infrastruktur (5G) mit Desinformation zu bekämpfen.


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