Wenn man das Internet nach Falschinformationen und Verschwörungsmythen durchforstet, sticht einem eines sofort ins Auge: die meisten, die solche Desinformation und Mythen verbreiten, arbeiten mit Bildern oder Videos.

Vögel, die einem Sturm zum Opfer fielen

Haben Sie nicht auch schon ein YouTube-Video erhalten, mit der Versprechung einen Aha-Effekt zu erleben? Um dies richtig einordnen zu können, muss man wissen, dass solche Aha-Effekte das Glückshormon Dopamin freisetzen. Wer dies einmal erlebt, will in der Regel mehr, und schon ist man beim nächsten Verschwörungsvideo… (mehr dazu hier – Vorsicht, es könnte einen Aha-Effekt geben…)

Es muss eine Spekulation bleiben, denn wir wissen nichts über die Strategien der Desinformations-Strategen, die Verschwörungsgläubige ständig mit neuen Aha-Erlebnissen versorgen, aber vermutlich ist der Grund dafür, die Macht der Bilder.

„In einer amerikanischen Studie wurde zwei Zielgruppen ein inhaltlich ausgewogener Artikel über die wirtschaftliche Situation sechs verschiedener amerikanischer Farmer gezeigt, davon drei prosperierende und drei notleidende. Anschliessend wurden sie interviewt, um herauszufinden, was ihnen in Erinnerung geblieben war. Beide Artikel waren inhaltlich exakt identisch und unterschieden sich nur im Bildmaterial. Im einen Artikel gab es das Foto eines prosperierenden Farmers neben seinem Flugzeug, im anderen das Foto eines armen Farmers, der das Heu mit einem Pferdewagen einfuhr. Beim ersten Interview hielten die Studenten einheitlich 37 Prozent der Farmer für arm. Nur 10 Tage später wurde das Interview wiederholt, und es zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen, je nach Bild, das sie gesehen hatten. Diejenigen, deren Artikel das Bild eines prosperierenden Farmers enthielt, hatten nun ein deutlich positiveres Bild von der wirtschaftlichen Situation der Farmer. Sie hielten nun nur noch 29 Prozent der Farmer für arm. Umgekehrt verhielt es sich bei den Studenten, die den armen Farmer zu sehen bekommen hatten. Sie hielten nun sogar 44 Prozent der Farmer für arm. Man nennt dies den «Schläfer-Effekt» (…) Das Beispiel zeigt, welch weitreichende Folgen das Visualisieren von Botschaften haben kann. Manipulatoren ist hier Tür und Tor geöffnet. Sie können selbst dann eine Sache nachhaltig schlechter oder besser wirken lassen, wenn sie mit den korrekten Zahlen arbeiten.“ (Quelle: Business Campaigning, Peter Metzinger, Springer 2003)

Kein Wunder, dass der Volksmund sagt «ein Bild wirkt mehr als 1000 Worte».

Ein Beispiel für Manipulation mit Bildern sind die immer wieder in neuen Varianten auftauchenden Bilder von toten Vögeln, die angeblich 5G zum Opfer fielen. Mal sind es tote Vögel in Italien, mal in Kroatien. Interessant: die Bilder sind die gleichen. Ein bisschen Recherche führt einen dann zur Erkenntnis, dass es sich um Vögel handelt, die einem Sturm zum Opfer fielen.

Wie kann man sich vor solchen, tief im Unterbewusstsein wirkenden Manipulationen schützen?

Ganz einfach: mit der umgekehrten Bildersuche von Google kann man nach ähnlichen Bildern suchen. So findet man heraus, ob ein Bild authentisch ist oder aus einem ganz anderen Zusammenhang stammt. Im Beispiel der Bilder mit den toten Vögeln führt die umgekehrten Bildersuche zur Erkenntnis, dass dieses Bild schon früher verwendet wurde, in einem Artikel über einen Sturm, dem viele Vögel zum Opfer fielen. Dieses älteste der aufgefundenen Fotos ist dann wohl die wahre Quelle, die Manipulation ist damit entlarvt (und der Beweis, dass 5G Vögel angeblich töten soll, ist widerlegt).

Wir empfehlen die umgekehrten Bildersuche immer dann, wenn ein Artikel mit besonders spektakulären Bildern begleitet wird. Es muss dabei nicht um 5G gehen. Es gibt auch Berichte über angeblich brennende Elektrofahrzeuge, die einen Tanklaster in Flammen zeigen, und viele andere Beispiele. („Nein, dieses Foto beweist nicht, dass ein Mundschutz die Gesundheit gefährdet„)

Und so funktioniert es:

  • Speichern Sie das spektakuläre Bild ab
  • Gehen Sie auf images.google.com
  • Klicken Sie auf das Kamerasymbol
  • Laden Sie das Bild hoch
  • Google startet dann eine Suche und zeigt Ihnen alle Seiten an, die das gleiche oder ein sehr ähnliches Bild zeigen

Weitere Anleitungen, auch für Smartphones zum Beispiel, finden sich hier.


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