Von Peter Metzinger

(Nachtrag vom 19. August aufgrund eines Feedbacks: der gesunde Menschenverstand (der ja eigentlich nichts schlechtes ist) und die Wissenschaft müssen keine Feinde sein, keine unvereinbaren Gegensätze. Im Gegenteil. Aber der Begriff „gesunder Menschenverstand“ wird regelmässig von Verschwörungsmystikern missbraucht. In diesem Artikel ist er in dem Sinne gemeint, wie diese ihn missbrauchen.)

Am Wochenende hatte ich auf Facebook eine Diskussion mit einem Bekannten, der meinte, die COVID-19-Pandemiebekämpfung sei masslos übertrieben, man müsse mehr auf den gesunden Menschenverstand hören.
In der Diskussion vertrat ich den Standpunkt, dass der gesunde Menschenverstand uns auch ganz schön in die Irre führen kann.
Denn er ergibt sich aus Erfahrungswerten bezüglich Dingen, die wie wahrnehmen können. Er versagt aber total bei Erkenntnissen, die unser Vorstellungsvermögen übersteigen oder bei denen wir keine Erfahrungswerte haben.

Zum Beispiel können sich die meisten Menschen kein exponentielles Wachstum vorstellen. Wenn sie nicht rechnen, versagt ihr Vorstellungsvermögen darüber, wie schnell die Zahlen in die Höhe schiessen. Die Anekdote vom Erfinder des Schach und den Reiskörnern als Bezahlung verdeutlicht dies sehr gut.

© CC BY-SA 4.0 – McGeddon

Ein Beispiel für fehlendes Erfahrungswissen ist die Relativität von Zeit und Raum. Weil diese sich im Alltag nicht bemerkbar macht, können wir sie uns kaum vorstellen. Auch hier hilft nicht nur das Rechnen. Ohne die Relativitätstheorie würde aber heute kein einziges Handy richtig funktionieren, denn die präzise Standortbestimmung ist nur dank der Berücksichtigung der Relativitätstheorie möglich.

Das neue SARS-CoV-2-Virus und die damit einhergehende Krankheit COVID-19 ist ein anderes Beispiel für neue Phänomene, die den gesunden Menschenverstand durch Mangel an Erfahrungswissen überfordern, so wie auch der Klimawandel. Elektromagnetische Felder wiederum können wir uns nicht vorstellen, weil wir sie nicht wahrnehmen.

Mit all diesen Dingen können wir nur umgehen, wenn wir uns an die Wissenschaft halten und nicht an den gesunden Menschenverstand.

Ja, die Wissenschaft widerspricht sich hin und wieder. Das ist aber normal, wenn man etwas Neues erforscht, neues Wissenerschafft, indem man immer mehr neue Daten bekommt, von denen man vorher nichts wissen konnte.

Dennoch gibt es bis heute keine bessere Methode, um einer möglichst absoluten Wahrheit möglichst nahe zu kommen. Das haben die letzten 400 Jahre mit ihrer enormen Wohlstandssteigerung gezeigt.


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