Das Internet, das wir zu Beginn als einen Segen für Demokratie und Entwicklung feierten, weil wir uns davon einen freien Zugang zum Wissen der Menschheit erhofften, wird immer mehr zum Schlachtfeld gezielter Desinformationskampagnen. Jeder kann hier den grössten Unsinn verbreiten, zu viele tun genau das und schon lange kann man nicht mehr glauben, was man im Netz liest oder sieht. Über die Hintergründe und Hintermänner (oder Frauen) kann man nur spekulieren, aber die Mechanismen zu enttarnen ist nicht sehr schwer.

„Hintergründe und Hintermänner“? – Nein, wir sind keine Verschwörungsgläubige. Aber wir stellen die Frage in den Raum, wie gewisse Videoportale auf YouTube es schaffen, jeden Tag eine Sendung zu produzieren, die so professionell gemacht ist, dass sie wie eine Nachrichtensendung im Fernsehen erscheint. Dieses Faktum können und dürfen wir nicht ignorieren.

Paradoxerweise verschafft ausgerechnet die professionelle Aufmachung genau bei denen Glaubwürdigkeit, die sich von den so genannten Mainstream-Media abgewandt haben, bei den Anhängern von Verschwörungsmythen. Wer finanziert diese täglichen Sendungen? Diese Frage muss man stellen.

Auffällig ist nicht, dass alle diese Video-Kanäle, sowie zahlreiche Facebook-, Telegram- und andere Gruppen die gleichen Falschinformationen verbreiten. Auffällig ist, dass es sich nur um bewusst und gezielt produzierte Falschinformationen handeln kann, die wichtige Zukunftsprojekte bekämpfen und unsere Gesellschaft spalten.

Wir wollen das anhand eines Beispiels konkret aufzeigen.

In den letzten Wochen wurden tausendfach Beiträge mit Bildern von toten Vögeln verbreitet, zusammen mit der Information, diese seien in Kroatien nach der Aktivierung von 5G mit einer Frequenz von 7.4 GHz massenhaft vom Himmel gefallen. (Kann man hier nachlesen.) Hier gibt es einen Fernsehbericht zum Thema.


So wie zahlreiche andere Geschichten über angeblich durch 5G getötete Vögel – in den meisten Fällen gab es nicht einmal ein 5G-Netz – ist auch diese Geschichte nachweislich falsch.

Zum einen wird die Frequenz 7.4 GHz überhaupt gar nicht für 5G genutzt.

Zweitens, und noch offensichtlicher, wurden die Fotos bereits am 3. und 4. Februar 2020 von italienischen Medien veröffentlicht, was leicht überprüft werden kann (Il Messaggero, Roma Today , La Repubblica). Sie stammen also nicht aus Kroatien.

In den Beiträgen geht es darum, dass Bäume wegen heftiger Windböen umgefallen sind – und mit den Bäumen auch Vögel, die in den Ästen ihre Nester gebaut hatten.

Auf Google-Maps kann man sich vom Ort überzeugen, wo die Fotos aufgenommen wurden (Viale del Policlinico, Rom) und diesen mit den Fotos vergleichen.

Besonders spannend: Die gleichen Bilder wurden bereits früher zweckentfremdet; sie kursierten bereits im April in den sozialen Medien. Auch damals wurde bereits fälschlicherweise ein Zusammenhang zu 5G hergestellt. Mehr Infos zu Fake News im Zusammenhang mit 5G und toten Vögeln gibt es hier.

Auch im Zusammenhang mit COVID-19 wurden massenhaft Falschinformationen produziert und verbreitet.

Es bleibt die Frage, wer wieso ganz gezielte Desinformation über 5G, COVID-19 und auch den Klimawandel betreibt. Eine Hypothese lautet, dass es sich um ein Mittel der hybriden Kriegsführung handelt, auch als Public Diplomacy bezeichnet, mit dem Ziel, unsere Gesellschaft in der wirtschaftlichen Entwicklung zu behindern und uns innerlich zu spalten. Wenn man sich anschaut, was die Desinformation zu COVID-19 und zu 5G bewirkt hat und an diese Hypothese glaubt, dann bleibt nur die Schlussfolgerung, dass die Strategie sehr gut aufgegangen ist – mit tausenden von COVID-19-Toten als Folge und einer Blockade beim Aufbau einer systemrelevanten und für die Zukunft wichtigen Infrastruktur.

Aber es handelt sich nur um eine Hypothese, die noch zu beweisen wäre. Wir sind gespannt, welche neue Fakten die Zukunft zur Beantwortung dieser Frage bringt. Bis dahin werden wir weiterhin Falschinformationen im Zusammenhang mit gesellschaftlich relevanten Zukunftsthemen bekämpfen, indem wir die korrekten Fakten aktiv verbreiten.

Mach‘ mit, jetzt gleich.