„Was verbindet den Schauspieler Woody Harrelson, die Gattin des Tennisstars Novak Djokovic und den Bruder des ehemaligen Labour-Chefs Jeremy Corbyn? Die drei vermuten, dass Covid-19-Erkrankungen durch die Strahlung von 5G-Antennen zumindest begünstigt werden könnten. Und sie sind damit nicht alleine,“ writes the Neue Zürcher Zeitung today in an article online. (in German)

Sogar der Schweizer Mobilfunk-Gegner Hans-U. Jakob schreibt in einem Brief an die Parlamentarier, dass die Verbreitung von COVID-19 durch 5G begünstigt werden könnte.

Dass 5G-Gegner oft Verschwörungsmythen verbreiten, ist nichts Neues. Es ist interessant, wie die NZZ der Sache auf den Grund geht.

Zunächst einmal räumen sie ein, dass COVID-19 besonders dort verbreitet ist, wo es auch die meisten 5G-Antennen gibt.

„Das überzeugendste Argument für einen Effekt sind zwei nebeneinandergestellte Weltkarten, die im Web kursierten: Auf der einen ist eingezeichnet, wo überall 5G-Antennen in Betrieb sind. Die andere zeigt, wie sich die Covid-19-Fälle über den Globus verteilen.

Die Gegenüberstellung legt nahe: Je mehr 5G-Antennen es in einer Region gibt, desto mehr Covid-19-Fälle werden dort verzeichnet. An diesem groben Bild ändert auch die Unstimmigkeit nichts, dass in der stark von der Pandemie betroffenen Lombardei laut der Karte nur gerade zwei 5G-Antennen in Betrieb sind.“

Die Tatsache, dass die Diskrepanz im letzten Satz nichts an dem Bild ändern soll, lässt einen aufhorchen. Wie kann eine so eindeutiger Widerspruch zur Hypothese nichts am Bild ändern? Vor allem, wenn es nicht der einzige ist: Im Iran, der eine Zeit lang ein COVID-19-Hotspot war, gibt es überhaupt kein 5G. Und was ist mit Neuseeland, wo es zwar 5G-Antennen gibt, COVID-19 aber verschwunden ist?

Wenn eine Hypothese falsifizierbar formuliert ist und es möglich ist, Fakten zu finden, die der Hypothese widersprechen, dann kann dies nicht einfach ignoriert werden.

Zumindest am Ende liefert die NZZ eine gute Erklärung:

Doch beides zusammen spricht stark für eine Scheinkorrelation. Damit ist gemeint: Dass zwei Dinge gehäuft zusammen auftreten – also korreliert sind –, bedeutet nicht, dass das eine das andere verursacht

(Der Begriff «Scheinkorrelation» ist insofern etwas unglücklich, da tatsächlich eine Korrelation besteht – treffender wäre «Scheinkausalität».)

Erhöht der Besitz eines Feuerzeugs das Lungenkrebsrisiko?

Ein gutes Beispiel dafür ist der Zusammenhang zwischen Feuerzeugen und Lungenkrebs. Statistisch dürfte der Besitz eines Feuerzeugs sehr stark mit Erkrankungen an Lungenkrebs korreliert sein. Trotzdem würde niemand allen Ernstes behaupten, dass Feuerzeuge Lungenkrebs verursachen – natürlich ist es das Rauchen. Doch weil Raucher häufiger ein Feuerzeug besitzen als Nichtraucher, ergibt sich dennoch eine Korrelation.

Alles deutet darauf hin, dass auch der Zusammenhang zwischen Covid-19 und 5G auf eine solche Scheinkorrelation zurückzuführen ist. Nicht die absolute Zahl der 5G-Antennen (Feuerzeuge) erklärt einen Teil der Covid-19-Todesfälle in den Kantonen, sondern die Einwohnerzahl (Rauchen).

Das bestätigten unsere statistischen Tests (multiple Regressionsanalyse). Die Korrelation zwischen den 5G-Antennen und den Corona-Todesopfern beträgt nahezu null, wenn die Einwohnerzahl als erklärender Faktor einbezogen wird.

Fazit

Nicht alles, was auf den ersten Blick plausibel klingen könnte, hält einer kritischen Überprüfung stand. Findet man Fakten, die der Vermutung widersprechen, muss man die Vermutung verwerfen und eine andere Erklärung suchen, die mit allen Fakten vereinbar ist.

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